Panning – Wie man es sich ganz einfach machen kann

Der Panoramaregler erlaubt es Signale im Stereospektrum links oder rechts zu platzieren und ihnen so einen Platz auf der virtuellen Bühne zu zuweisen. Richtig? Nicht ganz. Der Panregler ist nämlich nichts anderes als ein etwas anders verschalteter Volume-Regler. Streng genommen platziert er nichts im Stereospektrum, sondern regelt nur wieviel Signal aus einem und wieviel aus dem anderen Lautsprecher kommt. Das Problem daran: Je nachdem wie weit die Lautsprecher von einander entfernt sind, klingen Panoramaeinstellung unterschiedlich.

Verlorene Liebesmühe

Verteilt man Elemente mit dem Panregler auf der virtuellen Bühne, kann das vor den eigenen Boxen gut klingen – spätestens auf einer anderen Anlage geht die Einstellung jedoch verloren, denn je nach Aufstellung der Boxen ist das Stereobild breiter oder enger und so wandert auch die Panposition (sogar vor den eigenen Monitoren reicht es schon, den Kopf ein wenig zu bewegen und die Ortung ist anders).

Statt sich abzumühen, ideale Positionen für bestimmte Element zu finden, nur um dann festzustellen, dass es auf anderen Systemen nicht oder anders funktioniert, empfiehlt es sich stattdessen von Anfang an sich auf drei Positionen zu beschränken: Links, Mitte und Rechts (im Englischen „Left, Center, Right“ oder „LCR-Panning“ einige ausführliche Überlegungen zu dem Thema finden sich hier).

Beim LCR-Panning werden die Panpositonen zu 100% festgelegt und bleiben somit  auf jedem Abspielsystem gleich. Kritiker bemängeln jedoch das System klänge unnatürlich. Dabei werden vor allem zwei Dinge hervorgehoben:

  1. Der Mix würde auseinandergerissen und es entstehe ein Loch zwischen Mitte und Seite.
  2. Über Kopfhörer fällt besonders auf, wenn ein Signal nur noch aus einer Richtung zu hören ist.

Für beide Punkte gibt es Lösungsansätze, die ich im Folgenden kurz vorstellen möchte.

 

Das Gleiche überall – nur anders

Angenommen eine Gitarrenspur wird nach ganz links gepannt, so erklingt die Gitarre rechts gar nicht mehr. Um die Gitarre wieder in den Mix rein zu holen gibt es verschiedene Möglichkeiten, die auf unterschiedliche Arten mit einer veränderten Version der Orginalspur arbeiten:

  1. Stereoeffekte wie Hall oder Modulationseffekte (Chorus, Flanger und Phaser): Neben dem trockenen Gitarrensignal aus dem linken Lautsprecher tritt ein diffuses Signal, das das gesamte Stereospektrum einnimmt. Dadurch wird die Gitarre wieder überall hörbar. Wobei der Fokus auf dem trockenen Signal bleibt.
  1. Gepannte Monoeffekte: Eine Kopie des Signals wird auf die gegenüberliegende Seite gepannt und klanglich verändert. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Verzögerung mit Hilfe eines Delays (Haas-Effekt), Frequenzbandspezifische Phasenumkehr (mit Hilfe eines Allpassfilters), Monohall, pitch shifting, spektrale Veränderungen, Verzerrungen usw. Hier sind der Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt. Einzig die Monokompatibilität sollte geprüft werden, denn gerade bei Veränderungen, die in den zeitlichen Verlauf eingreifen, kann es bei einer Monosummierung zu Auslöschungen und Kammfiltereffekten kommen.

Der Vorteil von LCR-Panning besteht darin, dass Elemente immer eindeutig und damit unabhängig vom Lautsprechersystem ortbar sind. Mischungen werden somit nicht nur transparenter, sondern lassen sich viel besser auf andere Systeme übertragen. Darüberhinaus entfällt das nervige rumprobieren mit Panpositionen und man kann sich auf andere Dinge konzentrieren.

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