Dynamikkompression Teil 2 – Basics

Nachdem es im letzten Beitrag um einige grundlegende Überlegungen zum Thema Kompression ging, soll es heute um die wichtigsten Parameter und Steuerelemente von Kompressoren gehen.

Kompressoren reagieren auf Spitzenpegel von Audiosignalen. Wie das geschieht, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. An erster Stelle steht immer der Schwellwert (Threshold). Dieser meist flexibel veränderbare Wert legt fest, ab welchem Pegel der Kompressor zu arbeiten beginnt. Relevant für die Reduktion sind Pegel, die den Schwellwert überschreiten (liegt der Threshold z. B. bei -20dBFS, werden alle Signale darüber reduziert).

Wie stark ein Signal komprimiert wird, hängt vom Kompressionsverhältnis (Ratio) ab. Dieses Verhältnis wird wie folgt ausgedrückt: x:1, wobei x > 1 sein muss damit eine Kompression stattfindet.

Bsp: Ein Signal überschreitet den Schwellwert um 4dB. Bei einer Ratio von 2:1 wird das Signal um den Faktor 2 um 2dB reduziert. Je niedriger der Wert x, desto geringer ist das Kompressionsverhältnis. Bei Werten ab 10:1 spricht man von einem Limiter.

Wie die Pegelreduktion einsetzt, wird durch die Kompressionskurve geregelt (Knee). Je nach Kurvenform, erfolgt die Kompression abrupt (Hardknee) oder progressiv (Softknee). Klanglich ist die Hardknee-Kompression offensichtlicher, aber auch effizienter, während Softknee-Kompression subtiler und weniger „zupackend“ agiert. Bei vielen Plugins lässt sich diese Kurvenform stufenlos einstellen – hier bietet sich viel Raum zum experimentieren.

 

Attack und Release – Auf die Musik hören!

Soweit die statische Beschreibung. Damit der Kompressor seine Arbeit gezielt umsetzen kann, muss er über seine Ein- (Attack) und Ausschaltszeit (Release) dem jeweiligen Material und dem gewünschten Effekt angepasst werden. Jedes Signal verfügt über einen individuellen Ein- und Ausschwingvorgang, der zusammen mit der Klangfarbe, maßgeblich seinen Charakter prägt. Bei einer Trommel besteht der Klang aus einem lauten Impuls und einem leisen nachklingen der Fälle, eine Flötenton hingegen hat ein kurzes Anblaßgeräusch, klingt aber so lange, bis die Luftsäule, die den Ton erzeugt, abbricht. Um die Arbeitsweise des Kompressors an unterschiedliche Quellen anzupassen, bedient man sich der Regler Attack und Release.

Mit dem Attack-Regler wird festgelegt wie schnell der Kompressor anfängt zu arbeiten. Sollen Pegelspitzen eingefangen werden, so muss die Attack-Zeit niedrig sein. Soll der erste Impuls hingegen durchgelassen werden, wird eine hohe Attack-Zeit benötigt. Die Release-Zeit legt fest wie lange der Kompressor seine Arbeit erledigt, bevor er wieder von neuem beginnt dass Signal zu komprimieren. Ist die Release-Zeit zu kurz, fängt der Kompressor an zu pumpen, ist sie zu lang kann u. U. die Kompression über das Ziel hinausschießen und die Reduktion einzelner Spitzen eine umfassende Reduktion des Signals verursachen.

 

Feintuning: Peak- vs RMS-Detektion

Bei viele Plugins lässt sich das Attack-Verhalten noch über den Detektionsmodus beeinflussen: Der Kompressor kann sich entweder an den Peaks des Materials oder über RMS an der durchschnittlichen Lautheit orientieren. Ähnlich wie beim Knee-Faktor besteht oft die Möglichkeit dieses Verhalten stufenlos zwischen Peak- und RMS-Detektion zu regeln. Der Detektionsmodus beeinflusst die Geschwindigkeit der Attackzeit: Im Peak-Modus reagiert der Kompressor auf die schnellen, z. T. auch unhörbaren Transienten, im RMS-Modus hingegen wird viel stärker von der durchschnittlichen Lautheit ausgegangen und ensprechend reagiert der Kompressor etwas träger (Diese Trägheit macht den Kompressor unbrauchbar für Spitzenpegelreduktion – v. a. bei perkussivem Material, aber besonders nützlich für die Erzeugung dynamischer Konsistenz).

Da Attack und Release in den zeitlichem Verlauf eingreifen, empfiehlt es sich bei der Einstellung der Regler am Groove der Musik zu orientieren. Gerade zu Beginn, kann es hilfreich sein, mit extremen Einstellungen zu experimentieren, um ein Gefühl für den Einfluss auf den Klang zu bekommen. Zum Ausprobieren eigenen sich besonders Percussion und Drumspuren. Meine Empfehlung:  Einfach mal einen Kompressor auf einen Drumloop legen, den Threshold weit runter ziehen, die Ratio hoch stellen und mit Attack und Release spielen. Have Fun!

Gezielte Anwendungen von Dynamikkompression

[feather_share show="twitter, facebook, google_plus, mail" hide="reddit, pinterest, linkedin, tumblr"]